Welche Anleihenstrategie passt zum aktuellen Zinsumfeld?
Rückläufige Konsumentenpreise und eine stabile Inflationserwartung in Zielnähe der Zentralbanken haben in Europa binnen eines Jahres zu einem deutlichen Rückgang der Leitzinsen geführt. Doch wie geht es weiter – und welche Auswirkungen ergeben sich daraus für die Positionierung im Anleihenbereich als zentrale Komponente eines diversifizierten Portfolios? Antworten liefert unsere aktuelle Analyse.

Hauptsitz der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main
Zinssenkungszyklus In der Eurozone ist der Zinssenkungszyklus weit fortgeschritten. Innerhalb eines Jahres hat die Europäische Zentralbank den Leitzins von 4 % auf 2 % gesenkt. Eine Zinspause rückt damit näher. Ein ähnliches Bild zeigt sich in der Schweiz. Die Schweizerische Nationalbank hat den Leitzins innerhalb von 15 Monaten von 1,75 % auf 0 % reduziert und dürfte damit am Ende des Zinssenkungszyklus angekommen sein. Gegen den Schritt in den negativen Zinsbereich spricht die Tatsache, dass sich während der Negativzinsphase vor 2022 kein nennenswerter konjunktureller Impuls zeigte und der Schweizer Franken weiterhin stark blieb. Darüber hinaus birgt eine Fortsetzung der ultralockeren Geldpolitik gewisse Risiken, wie eine mögliche Überhitzung des Immobilienmarktes sowie Herausforderungen bei der Finanzierung der Altersvorsorge.
Anders stellt sich die Lage in den USA dar. Nachdem die US-Notenbank im vierten Quartal 2024 den Leitzins um insgesamt 100 Basispunkte gesenkt hatte, hält sie seither trotz rückläufiger Inflationsraten an einem Zinsniveau von 4,5 % fest. Hintergrund ist die Sorge, dass steigende Zölle die Inflation erneut entfachen könnten. Im Fokus steht dabei das Spannungsfeld zwischen FED-Chef Jerome Powell und US-Präsident Donald Trump, der deutlich niedrigere Zinsen fordert. Eine Entspannung könnte eintreten, sollte sich der Zollkonflikt abschwächen – oder im Mai 2026, mit Ende von Powells Amtszeit. Fest steht: In den USA ist der Spielraum für weitere Zinssenkungen im internationalen Vergleich am grössten. Die nachstehende Grafik zeigt die Erwartungen der Marktteilnehmer am Terminmarkt hinsichtlich künftiger Leitzinssenkungen. Aktuell wird per Ende 2025 ein Leitzins von 3,85 % erwartet, was einem Rückgang von 0,65 % oder knapp drei Zinsschritten à 0,25 % entspricht.
Quelle: LSEG Datastream, Colin&Cie
Normalisierung der Zinskurve Für den Zeitraum 2023/2024 erwarteten wir im Euro einen Rückgang der Zinsen bei kurzen Laufzeiten sowie eine allmähliche Normalisierung der Zinskurve. Eine «normale» Zinskurve ist dadurch gekennzeichnet, dass Anleihen mit längerer Laufzeit höhere Renditen bieten als solche mit kürzerer Laufzeit. Die nachstehende Grafik zeigt die Zinsentwicklung deutscher Staatsanleihen und bestätigt unsere Einschätzung. Während zum 31.12.2023 und 31.12.2024 noch eine inverse Zinskurve vorlag, ist die Kurve inzwischen wieder in einen normalen Verlauf übergegangen. 
Quelle: LSEG Datastream, Colin&Cie
Mittel- bis langfristige ZinsenIm Bereich der mittel- bis langfristigen Zinsen rechnen wir beim US-Dollar, Euro und Schweizer Franken mit einer Seitwärtsbewegung – bei gleichzeitigem Potential für eine Fortsetzung der leicht rückläufigen Tendenzen. Die nachstehende Grafik vergleicht die Renditen 5-jähriger Staatsanleihen in den drei genannten Währungen. Sie verdeutlicht den Renditevorsprung des US-Dollars sowie das Abrutschen der Schweizer Franken-Zinsen in den leicht negativen Bereich. Sowohl in Deutschland als auch in der Schweiz bewegen sich die 5-jährigen Zinsen aktuell auf einem Niveau, das sehr nahe an der jeweiligen Inflationsrate liegt.

Quelle: LSEG Datastream, Colin&Cie
Colin&Cie-Positionierung/-Anleihenstrategie Eine zentrale Rolle bei der Positionierung im Anleihenbereich spielen neben den Zinskurven verschiedener Währungen auch die Renditeunterschiede, die sich aus der Kreditwürdigkeit respektive Bonität der Emittenten – etwa Staaten oder Unternehmen – ergeben. Für eine solide Anlagestrategie im Anleihensegment sollten vorrangig Emittenten mit einem Rating zwischen AAA (höchste Bonität) bis BBB (gute Bonität, Investment Grade) berücksichtigt werden. Entscheidend für die Beurteilung von Attraktivität und Risikoprofil einer Anleihe ist die Zinsdifferenz unter Einbezug von Laufzeit und Bonität.
Die folgende Grafik zu den aktuellen Renditen europäischer Unternehmensanleihen zeigt den Renditeabstand zwischen kurzlaufenden Anleihen mit höchster Bonität – vergleichbar mit Staatsanleihen – und länger laufenden Papieren mit etwas niedriger, aber weiterhin solider Investment-Grade-Bonität. Um ein attraktives Verhältnis von Ertrag und Risiko sicherzustellen, fokussiert sich Colin&Cie aktuell auf Unternehmensanleihen mit guter bis sehr guter Bonität. Im Nachgang zu der von uns erwarteten Normalisierung der Zinskurve, haben wir bereits Umschichtungen vorgenommen: relevante Teile unserer kurzlaufenden Positionen (Laufzeit unter 1 Jahr) wurden in Anleihen mit Restlaufzeiten von über 4 Jahren verlagert, um das aktuell höhere Renditeniveau besser zu nutzen. Wo es sinnvoll erscheint, planen wir, diesen Anteil weiter auszubauen. Das damit verbundene Zinsänderungsrisiko bei potenziell steigenden Zinsen halten wir angesichts des zusätzlichen Renditevorteils für vertretbar.

Quelle: LSEG Datastream, Colin&Cie
Ziel von Colin&Cie im Anleihenbereich ist es, für Kunden mit Referenzwährung Euro oder Schweizer Franken eine Rendite zu erzielen, die mindestens der Inflationsrate entspricht. Zur Erreichung dieses Ziels setzen wir auf eine breite Diversifikation über eine Vielzahl von Emittenten hinweg, wodurch das Ausfallrisiko wirksam reduziert wird. Durch die Bündelung verschiedener Anleihenkäufe in einer grösseren Struktur, profitieren unsere Kunden zudem von einem erleichterten Marktzugang sowie günstigeren Kaufkursen.
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