Wie wichtig ist der Einstiegszeitpunkt bei der Anlage in Aktien?
Was gilt es bei der Investition in Aktien zu bedenken? Welche Erwartungen stellen wir an unsere Aktienanlagen? Wie stellen wir uns bei Aktien für die kommenden 6 bis 12 Monate auf und wo sehen wir die Renditen in einer langfristigen Betrachtung? Wir beleuchten diese Fragen und teilen unseren kurzfristigen Ausblick sowie unsere Einschätzung auf lange Frist mit.

Unsere Kernaussagen im Überblick
- Aktien sind in der langfristigen Sicht mit 6-8% Rendite attraktiv
- Der richtige Einstiegszeitpunkt ist bei Aktienanlagen zu beachten, verliert jedoch bei langjähriger Investition an Bedeutung
- Wir erwarten eine kurzfristige Erholungsphase am Aktienmarkt bevor sich die Aussichten mit schwächeren Konjunkturdaten in der zweiten Jahreshälfte eintrüben
Langfristige Einordung von Aktien
Unter Analysten und Investoren ist bekannt, dass Aktien generell mit durchschnittlich 6-8% pro Jahr rentieren. Aufgrund der hohen zwischenzeitlichen Schwankungen kann diese Rendite nur mit einem langfristigen Anlagehorizont erreicht werden. In der Regel lässt sich eine solche Rendite mit hoher Sicherheit über eine Anlagedauer von 10 Jahren erzielen. Wir ordnen diese Aussagen im historischen Kontext und der Trendbetrachtung ein.
Grafik: Entwicklung der jährlichen Durchschnittsrendite bei schlechtem Timing zum Höhepunkt der Internetblase
Quelle: Refinitiv Datastream
Die Grafik im mittleren Drittel zeigt eine blaue Fläche, die mehrheitlich über der roten Zielrendite von 8% liegt. Diese blaue Fläche stellt die 10-jährige Durchschnittsrendite mit 11.09% p.a. dar.
Allerdings kann bei Extremereignissen ein längerer Anlagehorizont nötig werden. Die historische Analyse ergibt, dass mit einem Investment zum Höhepunkt der Technologieblase im Jahr 1999 / 2000 (orange Fläche im obersten Drittel der Grafik) nach 10 Jahren eine negative Durchschnittsrendite resultierte. Man sieht dies im mittleren Drittel der Grafik mit der orangen Fläche um 10 Jahre nach vorne versetzt dargestellt.
Damit es zu diesem Extremereignis kam, benötigte es neben dem Platzen der Internetblase auch noch zusätzlich die Finanzkrise im Jahr 2008. Dies sind im historischen Kontext gesehen zwei aussergewöhnlich grosse Krisen. In der Grafik im untersten Drittel (orange Fläche) kann entnommen werden, dass bei unveränderter Anlage in Aktien ab Ende 2015 wieder eine durchschnittliche Rendite von 8% pro Jahr erzielt wurde. Wir schliessen daraus, dass bei einer Anlagedauer von 17 Jahren mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein Verlust vermieden werden kann und eine Zielrendite von 8% erreicht wird. Das gezeigte Beispiel beinhaltet wie erwähnt zwei Extremverläufe, die wir in diesem Ausmass und in dieser Häufigkeit in den kommenden Jahren nicht erwarten. Auch nicht aufgrund des Krieges in der Ukraine.
Es gilt, je höher die Aktienquote, desto länger die benötigte Anlagedauer und umso höher ist auch das Anlegerrisiko. Wie viele Risiken Anlegerinnen und Anleger eingehen können und wollen, ist individuell. Und diese gilt es zusammen zu eruieren, um ein ausgewogenes Verhältnis von Rendite und Risiko zu erreichen. Die in der Finanzindustrie dafür gängigen Risikofragebögen sind oft hypothetisch und nicht ausreichend hilfreich. Deshalb haben wir bei Colin&Cie in Zusammenarbeit mit der Hochschule St. Gallen einen Prozess entwickelt, welcher einen möglichst umfassenden Blick auf die finanzielle Situation und die Abstimmung auf die individuellen Ziele unserer Kundinnen und Kunden ermöglicht.
Untergeordnete Bedeutung des Einstiegszeitpunkts
Der richtige Einstiegszeitpunkt ist bei Aktienanlagen zu beachten, verliert jedoch bei langjähriger Investition an Bedeutung. Extreme Situationen wie zur Jahrtausendwende mit Übertreibungsmerkmalen (siehe die starke Abweichung zur Trendlinie im orangen Bereich) veranlassen uns zur Anpassung der taktischen Ausrichtung der Strategien, d.h. in diesem Fall zu einem Untergewicht der Aktienquote. Ein breites Spektrum an Indikatoren unterstützt uns in dieser Analyse.
Europäische Aktien genau im langfristigen Trend
Einer dieser Indikatoren sind Trendkanäle über unterschiedliche Zeithorizonte. Beispielhaft betrachten wir den 30-jährigen Trendkanal europäischer Aktien. Es lassen sich keine Übertreibungsmerkmale feststellen, sondern ganz im Gegenteil befinden sich Aktien in dieser langfristigen Betrachtungsweise genau auf der Linie des langfristigen Trends. Folglich gehen wir für die kommenden Jahre von einer Entwicklung im Rahmen der Historie mit einer Renditeerwartung von 6-8% aus.
Grafik: Langfristiger Trendverlauf europäischer Aktien
Quelle: Refinitiv Datastream
In der Grafik werden auch die letzten beiden starken Aktienmarktkorrekturen etwas relativiert: Der Rückgang aufgrund des drohenden Konjunktureinbruchs durch die COVID-Pandemie im Jahr 2020 ist im Ausmass nicht annähernd vergleichbar mit den Rückgängen nach dem Platzen der Internetblase im Jahr 2000 oder der grossen Finanzkrise 2008. Der Ausbruch des Krieges in der Ukraine hat Aktien nur geringfügig korrigieren lassen und ist in der Grafik kaum feststellbar. Gerade die letzten Monate mit dem Kriegsausbruch in der Ukraine haben gezeigt, dass über schnelle Anpassungen der Aktienquote die Fehlerquote steigen kann und bei falschem Timing die langfristige Rendite gefährdet wird. Das Festhalten an der eingeschlagenen Anlagestrategie ist wichtig für den langfristigen Erfolg. Unsere breite Auswahl an Indikatoren unterstützt uns in der Identifikation von Extremsituationen, welche über taktische Anpassungen der Aktienquote das zu erwartende Ergebnis verbessern (temporären Abweichungen von der neutralen Quote).
Gewichtung von Aktien und die Aussicht für die nächsten 6 bis 12 Monate
Eine Entwicklung entlang der historischen Durchschnittsrenditen innerhalb des Trendkanals ergibt eine neutrale Gewichtung für Aktien. Aktien sind momentan durch die vorsichtige Anlegerstimmung noch gut unterstützt. Die Risiken werden aber im Verlauf des Jahres mit schwächeren Konjunkturdaten wieder zurückkommen und für eine Zunahme der Volatilitäten sorgen.
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