Was steckt hinter dem Höhenflug des Goldpreises?

Im April 2024 hat der Goldpreis mit knapp 2.400 US-Dollar pro Feinunze ein neues Allzeithoch erreicht. Der rasante Preisanstieg binnen weniger Wochen hat für viel Aufsehen gesorgt und zahlreiche Fragen aufgeworfen. Was sind die Ursachen? Wie wichtig ist Gold in der Vermögensallokation? Wie geht es weiter? Antworten liefert unsere detaillierte Analyse.

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Goldpreis-EntwicklungIn den vergangenen Jahren prallte der Aufwärtstrend des Goldpreises mehrmals knapp oberhalb der Marke von 2.000 US-Dollar pro Feinunze ab. Anders in 2024. Mit einem zweistelligen Plus seit Jahresbeginn hat der Goldpreis aktuell ein neues Rekordniveau erreicht.

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Quelle: LSEG Datastream, Colin&Cie

Langfristige Einordnung von GoldIn den vergangenen 30 Jahren erzielte Gold eine durchschnittliche Jahresrendite von etwas mehr als 6 %. Im Renditevergleich mit anderen Anlageklassen liegt das Edelmetall zwischen europäischen Anleihen mit guter bis sehr guter Bonität (3,5 %) und europäischen Aktien (8 %). In der langfristigen Risikobetrachtung rangiert Gold mit einer Schwankungsbreite von +/- 15 % knapp unter dem Niveau europäischer Aktien (+/- 17%), während die Volatilität europäischer Anleihen mit +/- 4% deutlich geringer ist.

Bei nahezu vergleichbarem Risiko wie Aktien kann es trotz geringerer Rendite sinnvoll sein, in Gold zu investieren. Das hängt mit der Wechselbeziehung zwischen Gold und Aktien zusammen. Der Goldpreis steigt nämlich in der Regel immer dann an, wenn es zu Unsicherheiten an den Aktienmärkten kommt. Ein Portfolio mit Aktien (Rendite) kann deshalb nicht nur mit Anleihen (Planbarkeit/Sicherheit), sondern auch mit alternativen Anlagen und Gold (Diversifikation) hinsichtlich des Risikos breiter aufgestellt und damit bei Markturbulenzen stabilisiert werden.

LagebeurteilungBei der Beurteilung einzelner Finanzmärkte und Anlageklassen greifen wir auf verschiedene, relevante Bewertungsfaktoren zurück. In Bezug auf die Entwicklung des Goldpreises sind dies:

a) Staatsverschuldung: Ein Anstieg der Staatsverschuldung erhöht das Risiko einer Zahlungsunfähigkeit. Gold wird als Absicherung stärker nachgefragt, wodurch der Preis steigt.

b) Verhalten der Zentralbanken: Mit mehr als 20 Prozent der globalen Goldnachfrage sind Zentralbanken ein wichtiger Marktteilnehmer. Bei einer erhöhten Nachfrage der Zentralbanken steigt tendenziell der Goldpreis.

c) Negative Wechselbeziehung (Negative Korrelation) zu Aktien: Der Goldpreis steigt in der Regel dann, wenn die Unsicherheit und das Korrekturrisiko bei Aktien zunehmen.

d) Reale Rendite: Je höher die reale Rendite (Zins abzüglich Inflation) ist, desto unattraktiver wird die alternative Investition in Gold, da Gold keinen Zins zahlt. Umgekehrt wird Gold bei fallendem Zinsniveau wieder attraktiver, da der entgangene Zins geringer wird.

e) Trendlinien: Die Betrachtung des aktuellen Goldpreises im langfristigen Trendkanal gibt Aufschluss darüber, inwieweit dieser vom langjährigen Durchschnittswert abweicht. Bei starker Abweichung von der Trendlinie lassen sich Übertreibungen (sehr hoher, unattraktiver Preis) wie auch Untertreibungen (sehr niedriger, attraktiver Preis) erkennen.

AusblickDie Interpretation der oben beschriebenen Bewertungsfaktoren macht es uns möglich, eine Einschätzung zur Goldpreisentwicklung für die nächsten sechs bis zwölf Monate abzugeben:

a) Staatsverschuldung: Die umfangreichen fiskalpolitischen Hilfen zur Unterstützung der Konjunktur haben insbesondere in den USA die Staatsverschuldung massiv ansteigen lassen. Da in den kommenden Jahren die US-Fiskalprogramme im Umfang von 6 bis 8 Prozent der Wirtschaftsleistung (Bruttoinlandsprodukt) hoch bleiben (siehe Grafik), werden die Staatsschulden weiter ansteigen. Diese Entwicklung sollte den Goldpreis unterstützen.   

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Quelle: LSEG Datastream, Colin&Cie

b) Verhalten der Zentralbanken: Gold wird von den Zentralbanken als nationale Reserve für Krisenzeiten aufbewahrt und stärkt deren Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit. Der aktuelle Trend zeigt, dass die Zentralbanken in den Industrieländern ihre Goldbestände halten, während die Zentralbanken in den Schwellenländern – wie in China (siehe Grafik) – ihre Goldreserven deutlich aufbauen. Eine erhöhte Nachfrage der Zentralbanken sollte den Goldpreis unterstützen.

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Quelle: LSEG Datastream, Colin&Cie

c) Negative Wechselbeziehung (Negative Korrelation): Ein historisch zuverlässiger Indikator für die Goldpreisentwicklung ist die negative Korrelation zwischen Gold und Aktien. Dieser Zusammenhang ist derzeit allerdings außer Kraft gesetzt. Der jüngste Anstieg des Goldpreises fällt nämlich nicht in eine Zeit der Unsicherheit an den Aktienmärkten. Vielmehr herrscht an den Börsen eine euphorische Stimmung, wodurch die Aktienindizes in den USA und Europa neue Rekordmarken erreicht haben. Da Gold und Aktien gleichzeitig anstiegen, liegt aktuell eine positive Korrelation vor (siehe Grafik). Ein Wiedererstarken des historischen Zusammenhangs zwischen Gold und Aktien könnte das Risiko für einen fallenden Goldpreis erhöhen.

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Quelle: LSEG Datastream, Colin&Cie

d) Reale Rendite: Ein historisch zuverlässiger Indikator für die Goldpreisentwicklung ist auch die reale Rendite. Dementsprechend stieg der Goldpreis, als die Zinsen für US-Staatsanleihen 2019/2020 in den negativen Bereich rutschten. Mit dem Anstieg der langfristigen Zinsen in den USA ab 2021 hätte der Goldpreis in diesem Kontext eher stagnieren oder fallen müssen. Stattdessen stieg er signifikant an. Ein Wiedererstarken des historischen Zusammenhangs zwischen Gold und realer Rendite könnte das Risiko für einen fallenden Goldpreis erhöhen.

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Quelle: LSEG Datastream, Colin&Cie

e) Trendlinien: Trotz Erreichen eines neuen Allzeithochs und einer bisher starken Jahresentwicklung weist der langfristige Trend – anders als im Zeitraum 2011-2012 – derzeit keine Übertreibung beim Goldpreis auf. Dieser befindet sich fast genau auf der langfristigen Trendwachstumslinie.

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Quelle: LSEG Datastream, Colin&Cie

FAZIT: Auf der einen Seite wird der Goldpreis durch die ansteigende Staatsverschuldung, die höhere Goldnachfrage der Zentralbanken und den langfristigen Trend unterstützt. Auf der anderen Seite mahnen die bislang zuverlässigen und derzeit außer Kraft gesetzten Indikatoren «Negative Korrelation» und «reale Rendite» zur Vorsicht. Es ergibt sich demnach kein einheitliches Gesamtbild. Aus diesem Grund halten wir derzeit an unserer aktuellen Positionierung fest.

Unabhängige Analysen von Colin&Cie   Bei unserer «Analyse zum Rekordniveau des Goldpreises» handelt es sich um eine «Unabhängige Research Note». Sie hat zum Ziel, Kunden wie Nicht-Kunden objektiv und nachvollziehbar über die aktuelle Goldpreisentwicklung zu informieren und eine Einschätzung auf Sicht der nächsten 6 bis 12 Monate abzugeben.

Für die Beurteilung von Finanzmärkten und Anlageklassen greifen wir auf eigene Bewertungsmodelle mit über 250 Indikatoren zu. Mit diesem rein faktenbasierten Vorgehen grenzen wir uns als unabhängiger Vermögensverwalter bewusst von subjektiven oder nicht verifizierbaren Prognosen infolge medialer oder sonstiger Einflussnahmen ab.

Unsere Analysen und Einschätzungen veröffentlichen wir in regelmässigen Beiträgen sowie in unserer vierteljährlichen Publikation «Lagebeurteilung» auf der Colin&Cie-Website.

Disclaimer – Rechtlicher Hinweis

Diese Publikation wurde durch das Investment Office der Colin&Cie Gruppe erstellt. Die in diesem Dokument enthaltenen Informationen und Ansichten beruhen auf Quellen, die wir als zuverlässig erachten. Dennoch können wir weder für die Zuverlässigkeit noch für die Vollständigkeit oder Richtigkeit dieser Quellen garantieren. Alle Informationen sowie angegebenen Kurse sind nur zum Zeitpunkt der Erstellung dieser Publikation aktuell und können sich jederzeit ohne Vorankündigung ändern. Der Inhalt basiert auf zahlreichen Annahmen, die der Meinung der Colin&Cie Gruppe entstammen. Es gilt zu berücksichtigen, dass unterschiedliche Annahmen zu materiell unterschiedlichen Ergebnissen führen können. Die Prognosen und Einschätzungen sind lediglich zum Zeitpunkt der Erstellung dieser Publikation aktuell und können sich jederzeit ohne Vorankündigung ändern. Die Wertentwicklung einer Anlage in der Vergangenheit stellt keine Gewähr für künftige Ergebnisse dar. Manche Anlagen können plötzlichen und erheblichen Wertverlusten unterworfen sein. Diese Informationen und Ansichten begründen weder eine Aufforderung noch ein Angebot oder eine Empfehlung zum Erwerb oder Verkauf von Anlageinstrumenten oder zur Tätigung sonstiger Transaktionen. Interessierten Investoren empfehlen wir, ihren persönlichen Berater zu konsultieren, bevor sie auf der Basis dieses Dokumentes Entscheidungen fällen, damit persönliche Anlageziele, finanzielle Situation, individuelle Bedürfnisse und Risikoprofil sowie weitere Informationen im Rahmen einer umfassenden Beratung gebührend berücksichtigt werden können. Bei den in dieser Publikation enthaltenen Informationen handelt es sich um Marketingmaterial, das ausschliesslich zu Werbezwecken verbreitet wird.

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