Litigation Finance gewinnt an Relevanz – auch für Anleger
Alternative Anlageformen wie Immobilien, Gold oder Kunst sind bei Privatkunden seit Langem gefragt. In den letzten zwanzig Jahren haben sich auch private Unternehmensbeteiligungen und -finanzierungen etabliert. Eine der jüngeren Investitionsmöglichkeiten ist die Prozessfinanzierung (Litigation Finance). Selina Ott von PG3 spricht im Interview über Anlagechancen, potenzielle Risiken und die Kooperation mit Colin&Cie.

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Um in schwierigen Marktphasen die Stabilität des Kundenportfolios zu erhöhen, ohne auf Rendite zu verzichten, bietet Colin&Cie im Rahmen seiner Vermögensverwaltungsmandate die gezielte Beimischung alternativer Anlagen an. Zum Erreichen der notwendigen Diversifikation werden dabei unterschiedliche Anlagekategorien (Gold, Private Equity, Private Debt, Litigation Finance, Insurance Finance) berücksichtigt. Kooperationspartner sind ausschliesslich erfahrene Unternehmen und Portfoliomanager, deren Investitionen sich durch eine klare Unabhängigkeit von traditionellen Anlagen und Finanzmärkten auszeichnen. Im Bereich «Litigation Finance» arbeitet Colin&Cie mit PG3, dem Family Office der drei Partners Group-Gründer, zusammen.
COLIN&CIE: Was ist Litigation Finance und welche Vorteile bietet diese Anlageklasse ?
SELINA OTT: Litigation Finance ist eine innovative Anlagestrategie, bei der Investoren Kapital bereitstellen, um Rechtsstreitigkeiten zu finanzieren. Im Erfolgsfall erhalten sie einen Anteil an der erstrittenen Summe. Diese Finanzierungsform ermöglicht es insbesondere kleinen und mittelgrosssen Unternehmen, kostspielige Prozesse zu führen, ohne eigenes Kapital aufwenden zu müssen. Verliert der Kläger den Prozess, trägt nicht er, sondern der Finanzierer das finanzielle Risiko. Neben dem hohen Renditepotenzial liegt der Vorteil von Litigation Finance in der Unabhängigkeit von klassischen Finanzmärkten. Der Anlageerfolg hängt nicht von Börsenkursen, Zinssätzen oder Konjunkturverläufen ab, sondern primär von fallspezifischen Faktoren – etwa den rechtlichen Erfolgsaussichten, der Beweislage und der Qualität des juristischen Teams. Wir können bei dieser Anlageklasse von einer wirklich unkorrelierten Anlagestrategie sprechen.
COLIN&CIE: Wie hat sich die Prozessfinanzierung in den letzten Jahren entwickelt?
SELINA OTT: Litigation Finance entstand in den 1990er-Jahren im angelsächsischen Raum. Inzwischen hat sich die Prozessfinanzierung auch in Europa und Asien etabliert. Erfolgreiche Präzedenzfälle haben das Vertrauen gestärkt und die Marktentwicklung deutlich vorangetrieben. Der Markt ist heute insbesondere von auf Litigation Finance spezialisierten Beteiligungsfirmen und Fonds geprägt. Auch grosse institutionelle Investoren und Family Offices engagieren sich verstärkt in diesem Bereich. Sie alle schätzen die attraktiven Renditechancen, die weitgehend unabhängig von den Entwicklungen traditioneller Anlagen wie Anleihen und Aktien sind. Der Markt hat sich mittlerweile diversifiziert und deckt heute eine breite Palette von Rechtsstreitigkeiten ab, von Patentrechts- bis hin zu Produkthaftungsklagen oder Verfahren mit Bezug zu Umweltthemen.
COLIN&CIE: Können Sie uns ein konkretes Beispiel für Litigation Finance aus Ihrer Praxis nennen?
SELINA OTT: Ein bekanntes Beispiel für Litigation Finance im Patentrecht ist der Fall des britischen Unternehmens Nanoco gegen Samsung. Nanoco warf dem Technologiekonzern vor, Patente zur Herstellung von Quantum-Dot-LEDs verletzt zu haben – einer Schlüsseltechnologie, die in Fernsehgeräten von Samsung zum Einsatz kommt. Für den aufwendigen und teuren Rechtsstreit erhielt Nanoco finanzielle Unterstützung von einem Prozessfinanzierer, in den auch PG3 investiert hat. Dieser übernahm die Verfahrenskosten und ermöglichte es dem vergleichsweise kleinen Unternehmen, gegen einen globalen Konzern rechtlich vorzugehen. Der Fall, der mit einem Vergleich und der Zahlung von 150 Millionen US-Dollar an Nanoco endete, zeigt exemplarisch, wie Litigation Finance Unternehmen in die Lage versetzt, ihre Rechte durchzusetzen – selbst dann, wenn ihnen die finanziellen Mittel für einen solchen Prozess fehlen. In diesem Fall konnte das von den Investoren eingesetzte Kapital mehr als verdoppelt werden.
COLIN&CIE: Wie schätzen Sie das weitere Potenzial von Litigation Finance ein?
SELINA OTT: Angesichts der weiteren Professionalisierung der Anbieter, einer verbesserten Risikobewertung sowie des steigenden Interesses von Investoren ist davon auszugehen, dass Litigation Finance in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnt. Die hohe Akzeptanz auf Seiten von Kanzleien und Unternehmen sowie ein zunehmend klarer regulatorischer Rahmen stärken zusätzlich das Vertrauen in das Geschäftsmodell – und schaffen damit die Grundlage für weiteres Wachstum. Wir sprechen hier gerne von der nächsten Generation alternativer Anlagen. Hinzu kommt, dass das Kapital heute nicht mehr nur zur Deckung der Prozesskosten einzelner Rechtsstreitigkeiten, sondern auch zur Finanzierung von Anwaltskanzleien eingesetzt werden kann. Viele Kanzleien, insbesondere solche mit erfolgsabhängigen Honorarvereinbarungen, haben einen zeitlichen Verzögerungseffekt bei den Einnahmen: Die Honorare fließen erst nach Abschluss eines erfolgreichen Falls. Um laufende Kosten zu decken, benötigen sie Fremdkapital. Hier bietet das sogenannte «Law Firm Lending», also die Kreditvergabe an Kanzleien, eine weitere attraktive Finanzierungsform.
COLIN&CIE: Welche Unterschiede bestehen zwischen beiden Ansätzen?
SELINA OTT: Die Finanzierung von einzelnen Rechtsfällen bietet eine hohe Transparenz und erlaubt es, gezielt in interessante oder strategisch relevante Fälle zu investieren. Gleichzeitig ist sie mit einem erhöhten Risiko verbunden, da das Ergebnis binär ist – entweder positiv oder negativ. Bei der Finanzierung von Anwaltskanzleien dient das eingesetzte Kapital dazu, die Zeit bis zur Auszahlung von Honoraren zu überbrücken. Der wesentliche Vorteil dieser Struktur liegt in der potenziell stabileren Cashflow-Generierung: Die Rückflüsse stammen aus einer Vielzahl von Rechtsfällen, was eine interne Diversifikation innerhalb der Kanzlei schafft. Dadurch entsteht in der Regel ein stabilerer Rückzahlungsmechanismus und ein insgesamt defensiveres Risikoprofil – denn die Rückzahlung hängt nicht vom Ausgang eines einzelnen Falls ab, sondern vom breiten Fallportfolio der Kanzlei.
COLIN&CIE: Wie sieht die Investitionsstrategie von PG3 im Bereich Litigation Finance aus?
SELINA OTT: PG3 und das Schwesterunternehmen Nivalion sind seit zehn Jahren im Bereich der Litigation Finance tätig und verfolgen einen selektiven, risikobewussten sowie diversifizierten Investitionsansatz. Wir kooperieren ausschließlich mit Prozessfinanzierern, die über langjährige Erfahrung, ein diszipliniertes Auswahlverfahren und eine überzeugende Erfolgsbilanz verfügen. PG3 konzentriert sich primär auf den US-Markt und investiert in Rechtsfälle und Fallportfolien, die von etablierten US-amerikanischen Prozessfinanzierern geführt werden. Nivalion hingegen agiert schwerpunktmässig im europäischen Markt und investiert direkt in einzelne europäische Rechtsfälle. Dafür wurde ein eigenes Expertenteam aufgebaut, das für die Identifikation, Bewertung und Überwachung der Investitionen verantwortlich ist. Unsere Entscheidungen basieren auf einer sorgfältigen Prüfung jedes Engagements entlang klar definierter interner Risikoparameter. Ziel ist der Aufbau eines breit diversifizierten Portfolios von Rechtsfällen – gestreut über verschiedene Jurisdiktionen, Anspruchsarten und Branchen – um ein ausgewogenes und robustes Risikoprofil zu gewährleisten.
COLIN&CIE: Wie ist es zur Zusammenarbeit von PG3 und Nivalion mit Colin&Cie gekommen?
SELINA OTT: Die im Bereich Litigation Finance eingesetzten Mittel stammen sowohl von PG3 respektive Nivalion als auch von selektiven und gleichgesinnten Kapitalanlegern in der Schweiz. Diese Investoren, zu denen auch Colin&Cie zählt, suchen für ihre Kunden im Bereich alternativer Anlagen gezielt nach Engagements mit attraktivem Rendite-Risiko-Profil und geringer Korrelation zu traditionellen Anlageklassen – Anforderungen, denen Litigation Finance zunehmend gerecht wird. Über professionell strukturierte Anlagevehikel ermöglichen wir diesen Investoren respektive ihren Kundinnen und Kunden den Zugang zu einem spezialisierten Marktsegment. Mit Colin&Cie verbindet uns seit 2016 eine vertrauensvolle und erfolgreiche Zusammenarbeit.
COLIN&CIE: Wir bedanken uns bei Ihnen für das Interview und wünschen Ihnen und Ihren Kollegen weiterhin viel Erfolg.
ÜBER SELINA OTT: Selina Ott ist seit Oktober 2021 Teil des PG3-Teams. Zuvor war sie bei einem Fintech-Start-up tätig und arbeitete rund vier Jahre bei der Partners Group AG im Investment Solutions Team. Sie hat einen Bachelorabschluss in Wirtschaftswissenschaften von der Universität Bern sowie einen Masterabschluss in Management und Banking & Finance von der Universität Zürich.
ÜBER PG3: Die PG3 AG ist das Family Office von den drei Gründern der Partners Group und eine FINMA-regulierte Asset-Management-Gesellschaft mit Sitz in Baar (Schweiz), gegründet 2013. Das Unternehmen ist auf alternative Anlagen spezialisiert und bietet Investoren Zugang zu Nischenstrategien mit attraktiven und unkorrelierten Renditen. Die Schwerpunkte liegen auf Litigation Finance, Insurance Finance und Multi-Strategy-Investitionen.
ÜBER NIVALION: Nivalion ist ein führender Anbieter von Prozessfinanzierung mit Hauptsitz in Zürich und Büros in Frankfurt, München, Wien und London. Das Unternehmen bietet massgeschneiderte Finanzierungslösungen für komplexe nationale und internationale Streitigkeiten. Nivalion ermöglicht Unternehmen, Anwaltskanzleien und Investoren, ihre rechtlichen Ansprüche durchzusetzen, ohne die damit verbundenen finanziellen Risiken selbst tragen zu müssen. Als unabhängiger Litigation-Finanzierer mit einem erfahrenen Team aus Juristen und Investment Professionals verbindet Nivalion rechtliche Expertise mit fundierter Investmenterfahrung.
Disclaimer – Rechtlicher Hinweis
Diese Publikation wurde durch das Investment Office der Colin&Cie Gruppe erstellt. Die in diesem Dokument enthaltenen Informationen und Ansichten beruhen auf Quellen, die wir als zuverlässig erachten. Dennoch können wir weder für die Zuverlässigkeit noch für die Vollständigkeit oder Richtigkeit dieser Quellen garantieren. Alle Informationen sowie angegebenen Kurse sind nur zum Zeitpunkt der Erstellung dieser Publikation aktuell und können sich jederzeit ohne Vorankündigung ändern. Der Inhalt basiert auf zahlreichen Annahmen, die der Meinung der Colin&Cie Gruppe entstammen. Es gilt zu berücksichtigen, dass unterschiedliche Annahmen zu materiell unterschiedlichen Ergebnissen führen können. Die Prognosen und Einschätzungen sind lediglich zum Zeitpunkt der Erstellung dieser Publikation aktuell und können sich jederzeit ohne Vorankündigung ändern. Die Wertentwicklung einer Anlage in der Vergangenheit stellt keine Gewähr für künftige Ergebnisse dar. Manche Anlagen können plötzlichen und erheblichen Wertverlusten unterworfen sein. Diese Informationen und Ansichten begründen weder eine Aufforderung noch ein Angebot oder eine Empfehlung zum Erwerb oder Verkauf von Anlageinstrumenten oder zur Tätigung sonstiger Transaktionen. Interessierten Investoren empfehlen wir, ihren persönlichen Berater zu konsultieren, bevor sie auf der Basis dieses Dokumentes Entscheidungen fällen, damit persönliche Anlageziele, finanzielle Situation, individuelle Bedürfnisse und Risikoprofil sowie weitere Informationen im Rahmen einer umfassenden Beratung gebührend berücksichtigt werden können. Bei den in dieser Publikation enthaltenen Informationen handelt es sich um Marketingmaterial, das ausschliesslich zu Werbezwecken verbreitet wird.