Unsere Szenarien zum Krieg in der Ukraine

Unsere Kernaussagen im Überblick
  • Abnahme des Einflusses des Ukraine Krieges auf die Finanzmärkte
  • Notenbanken fahren Unterstützung zurück, US-Notenbank Fed mit erstem Zinsschritt
  • Weitere Zinsschritte sind bereits eingepreist
  • Positiv für Anleihen und Aktien (v.a. Wachstumssegment / Technologie)

Unsere Analyse zum Krieg in der Ukraine beschränkt sich ausschliesslich auf die Effekte des Konfliktes auf die Finanzmärkte. Wir unterscheiden zwischen fünf möglichen Entwicklungen, die unsere Szenarien bilden (siehe Grafik). In unserem Basisszenario gehen wir von einem lang anhaltenden Zermürbungskrieg aus. Die Sanktionen gegenüber Russland bleiben bestehen und sorgen für zwischenzeitliche Verunsicherung, v.a. wegen steigender Rohstoffpreise. Der Einfluss auf die Finanzmärkte nimmt nach anfänglich grosser Verunsicherung ab. Der Fokus der Finanzmarktteilnehmer verlagert sich Schritt für Schritt weg vom Krieg in Richtung Wirt-schafts- und Zinsentwicklung. Somit nehmen die hohen Schwankungsbreiten von Anlagen wie Aktien im Verlauf der Zeit kontinuierlich ab, zumindest solange wir uns in unserem Basissze-nario bewegen.

Grafik: Übersicht der fünf Szenarien zum Krieg in der Ukraine

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Quelle: Colin&Cie

Ein gutes Beispiel für die Verlagerung des Fokus der Investoren war Mitte März zu beobach-ten, als sich die Aufmerksamkeit der Marktteilnehmer dem aktualisierten Zinsausblick der US-Notenbank Fed zuwandte.

Im Nachgang des Ausbruchs der COVID-19-Pandemie vor zwei Jahren haben die Zentralbanken äusserst stimulierend reagiert und die Finanzmärkte mit genügend Liquidität unterstützt. Mit der Fed-Sitzung vom 16. März 2022 und dem ersten Zinsschritt neigt sich diese Periode dem Ende zu. Die Zentralbanker verhalten sich angesichts der hohen Konsumentenpreise (Inflation in Höhe von 7.9% in den USA und 5.9% in Europa) äusserst aggressiv und gehen in diesem Jahr von weiteren sieben Zinsanhebungsschritten von je 0,25% aus.

Markt nimmt Zinsanstieg vorweg

Gemäss unserer Analyse haben sich die Investoren auf die kommenden Zinsschritte eingestellt. Abgeleitet von den Futures-Kursen der Terminmärkte gehen die Marktteilnehmer bereits heute von sechs bis sieben Zinsschritten bis zum Jahresende aus. Falls dies tatsächlich so kommen sollte, wird das niemanden überraschen. Es ist also sehr viel in den aktuellen Kursen eingepreist. Aufgrund der kommenden konjunkturellen Abschwächung gehen wir von weniger Zinsschritten aus, was Entspannung in die aktuell sehr hitzig geführte Zins-Diskussion bringen wird. Durch eine Angleichung des historisch engen Verhältnisses zwischen Zinsen und Kon-junktur (siehe Grafik) und einer Abnahme des vorlaufenden Konjunkturindikators zum Jahres-ende hin (PMI fällt), ergibt sich ein US-Zinsniveau für 10-jährige Staatsanleihen zwischen 2 und 2.5%, was weitgehend dem heutigen Zinsniveau entspricht.

Grafik: Angleichung im historisch engen Verhältnis zwischen Zinsen und Konjunktur spricht für ein US 10-jähriges Zinsniveau von 2% bis 2.5%

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Quelle: Refinitiv Datastream

Dies hat weitreichende Konsequenzen und sorgt dafür, dass vor allem Anleihen und bei Aktien das Technologie- bzw. das Wachstumssegment profitieren. Wir sind in diesen Marktsegmenten bereits heute gut positioniert.

Aussicht für die nächsten 6 bis 12 Monate

Aufgrund der nachlassenden Konjunkturdynamik und den nach wie vor bestehenden Risiken gehen wir von anhaltend volatilen Märkten aus. Erst mit der Aussicht auf besseres Wirt-schaftswachstum stellt sich im Verlauf des dritten Quartals eine allmähliche Verbesserung ein. Finanzmärkte nehmen solche Veränderungen mit einem Vorlauf von 6 bis 12 Monaten vorweg, d.h. der Konjunkturaufschwung ab März 2023 wird von den Investoren im Verlauf des dritten Quartals antizipiert.

Nach dem erfolgten Zinsanstieg sind die Renditen bei Anleihen wieder attraktiver geworden und wir erhöhen die Allokation in den Anleihenstrategien und zu Lasten Liquidität. Aktien sind im Moment durch die sehr ängstliche Stimmung gut unterstützt und damit trotz bestehen-der Risiken bereit für eine kurzfristige Erholungsphase. Wir behalten unsere neutrale Position bei. Rohstoffe und Gold weisen auch nach der starken Performance noch keine Übertreibung auf und befinden sich im langfristigen Trendwachstum. In den ersten schwierigen Monaten dieses Jahres hat die Funktion der Portfoliostabilisierung von Alternativen Anlagen gut funkti-oniert. Der Ausblick ist neutral bis positiv.

Grafik: Deutlicher Anstieg der Verfallsrenditen in allen Segmenten macht Anleihen attraktiver

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Quelle: Refinitiv Datastream

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